BUND Ortsverband Langen Egelsbach

Wasser - Quell des Lebens

Wasser ist die Quelle des Lebens und eine der fundamentalsten Ressourcen auf unserem Planeten.

Wasser: Für Mensch und Natur lebenswichtig

 (Bild: Christine Schäfer)

Flüsse, Seen und Feuchtgebiete sind die artenreichsten Lebensräume der Erde - allerdings auch die gefährdetsten. Der Artenverlust nimmt dort zwei- bis dreimal schneller zu als an Land oder im Meer. Bis zu 90 Prozent der Abwässer der Erde fließen ungeklärt in Gewässer und gefährden Umwelt und Trinkwasservorräte. 
 
Selbst in Deutschland verfehlen 90 Prozent der Oberflächengewässer einen guten ökologischen Zustand. Hauptfaktoren sind der Eintrag von Nitrat und Pestiziden aus der Landwirtschaft, Schwermetallen, schwer abbaubaren organischen Schadstoffen und Mikroplastik aus Haushalten und Industrie sowie Quecksilber aus der Abluft von Kohlekraftwerken. 
 
Hinzu kommen Begradigungen und Vertiefungen von Flüssen und die Trockenlegungen von Überschwemmungsgebieten, die die Lebensräume vieler Tier- und Pflanzenarten unbewohnbar gemacht haben. Erst die Starkregenereignisse und Überflutungen in den vergangenen Jahren, aber auch das Sinken der Grundwasserspiegel in diesen Regionen, haben diese Maßnahmen – wenn auch eher aus wirtschaftlichen Gründen – hinterfragen lassen und vereinzelt zu Renaturierungsansätzen geführt.
 
Die Trinkwasserversorgung in Deutschland ist zwar sehr gut, doch inzwischen bedarf es großer Anstrengungen um sie sicherzustellen. Etwa 70 Prozent des Trinkwassers wird aus Grundwasser gespeist, der Rest aus Oberflächengewässern.

Sterzbachstadt Langen

 (Bild: Christine Schäfer)

 

 

Kaum zu glauben, dass der Langener Sterzbach bis in die 1950er Jahre hinein einmal sechs Mühlen betrieben hat. Aufgrund des steigenden Wasserbedarfs wurde er an der Quelle im Mühltal gefasst und in die Trinkwasserversorgung eingespeist. Nach Regenfällen verbleibt ein kleines Rinnsal, das nach kurzem Weg durch die Altstadt und unterirdische Röhren irgendwann westlich der Bahnlinie in einem Graben versickert.

 

 (Bild: Abfluss Kläranlage)

 

Der einzig ständig fließende Bach, in dem sich sogar Fische tummeln, beginnt unterhalb der Kläranlage und schlängelt sich durch ein kurzes Stück Auenwald, bevor er wieder unter der A5 in einer Röhre mündet.

Bevor sich nun aber Fischwilderer auf den Weg machen, sei gewarnt: Im Bachlauf fließt fast nur gereinigtes Abwasser; eine Verdünnung durch natürliches Bachwasser gibt es im größten Teil des Jahres praktisch nicht. Tausende Schadstoffe wie Arzneimittelrückstände, Haushaltschemikalien und Biozide belasten die Gewässerlebewelt, da eine konventionelle Kläranlage viele dieser Chemikalien nicht eliminieren kann.

Vierte Reinigungsstufe in den Kläranlagen dringend erforderlich!

Mit Dr. Peter Seel hatte der BUND-Ortsverband Langen-Egelsbach am 30. Oktober 2023 einen Experten in Sachen Gewässergüte zu einem Vortrag im Bürgerhaus Egelsbach gewinnen können. Seel war vor seiner Pensionierung Dezernatsleiter für Gewässergüte beim Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG). Zentrale Aussage seines Vortrags war, dass die Abwasserentsorgung in der Region dringend verbessert werden müsste. Insbesondere müssten die Kläranlagen so schnell wie möglich um eine vierte Reinigungsstufe erweitert werden. Sonst könnten die gesetzlich in der Wasserrahmenrichtlinie festgelegten Qualitätsziele für den Geräthsbach und andere Bäche im Schwarzbachsystem mit Sicherheit nicht erreicht und das Grundwasser als Trinkwasserressource nicht geschützt werden.

Seel zeigte anhand der Daten des HLNUG, dass der Bach weder bei den Kleintieren, noch bei den Fischen und Algen die geforderte gute Qualität habe. Dies hätte nach Gesetz eigentlich bereits 2015 erreicht sein müssen. Solche Defizite seien in Hessen und ganz Deutschland allerdings die Regel und nicht die Ausnahme.

Auch reiche es nicht aus, kanalartig ausgebaute Gewässer in einen naturnahen Zustand umzubauen. Dies sehe zwar schön aus und helfe ein wenig, aber empfindliche Tierarten, kämen dadurch nicht wieder zurück. Ursache sei, wie Seel mit vielen Beispielen aus der Forschung zeigen konnte, die chemische Belastung der Gewässer aufgrund unzureichender Reinigungsleistung der Kläranlagen.

Grundwasserschutz

 (Bild: Dietzenbach Schwammstadt)

Das große Bevölkerungswachstum Langens in den letzten Jahrzehnten hat aber nicht nur zu einem höheren Abwasseranfall, sondern auch zu einem höheren Wasserbedarf geführt. Die bis zu 130 Metern Tiefe reichenden Brunnen im Stadtwald liefern etwa zwei Drittel des Trinkwassers für Langen und Egelsbach. Die Sterzbachquelle trägt mit etwa 5% nur zu einem geringen Teil dazu bei. Ein Drittel des Trinkwassers muss aus den Nachbarkommunen hinzugeleitet werden.

Auch der Klimawandel beeinträchtigt die Grundwasserneubildung durch längere Trockenzeiten und häufigere Starregenereignisse. Während es in den Trockenzeiten zu einem starken Anstieg des Grundwasserverbrauchs kommt, kann dieser durch Starkregenereignisse nicht ausgleichen werden, da ein Großteil des Regenwassers - statt im Boden zu versickern - schnell abfließt. Der größte Teil des Regenwassers, das bei uns auf Straßen, Dächern und sonstigen verbauten Flächen niedergeht, landet über die Straßenkanalisation - zusammen mit den Hausabwässern - in der Kläranlage und kann dort wiederum zu Kapazitätsproblemen führen, was Reinigungsleistung mindert. 

Maßnahmen zur Vermeidung eines schnellen Abflusses des Regenwassers und zur Grundwasserneubildung wären daher – neben Wassersparmaßnahmen - sinnvolle Ansätze. Unter dem Begriff „Schwammstadt“ finden sich inzwischen verschiedene Ansätze, wie das Regenwasser sinnvoller genutzt werden kann, als im Abwasser zu landen. Dietzenbach hat beispielsweise angefangen, neugebaute oder renovierte Straßen mit einer Sickerungsgrube zu versehen, in der das Wasser von der Straße, über ein Substrat zu 99% vorgereinigt, im Boden versichern kann

 (Bild: Rathaus Dietzenbach PV-Dachbegrünung)

 

 

Daneben sind größere Flächen für Baumgruben, wasserdurchlässige Pflastersteine, Zisternen aber auch Dachbegrünungen sinnvolle Ergänzungsmaßnahmen. Dachbegrünungen eignen sich insbesondere auch in Verbindung mit PV-Anlagen, da sie einen positiven Kühlungseffekt auf die PV-Anlage haben, die bei großer Hitze nur eingeschränkt arbeitet

Zu guter Letzt kann auch jeder selbst etwas zum Gewässerschutz beitragen. Dass Chemikalien, Öl und sonstige Schadstoffe nicht ins Abwasser gelangen sollten, dürfte jedem klar sein. Ebenso, dass der Trinkwasserverbrauch, beispielsweise über die Nutzung von Zisternen, reduziert werden kann. Was aber vielen nicht bewusst ist, sind die Folgen achtlos weggeworfener Zigarettenkippen – nicht nur für die Gewässer:

  • Eine einzelne Zigarettenkippe kann eine Menge von 1000 Liter Wasser verseuchen und damit den Lebensraum für kleine Wassertiere vergiften.
  • Zigarettenfilter werden aus Zellulose-Acetat hergestellt – einem Kunststoff, der wesentlich zur Belastung der Meere mit Mikroplastik beiträgt.
  • Vögel nutzen die zerfaserten Filter teilweise für den Nestbau. Die Fasern sondern giftige Substanzen ab, die die Fortpflanzung schädigen.
  • Wildtiere – aber auch Hunde - verenden qualvoll, wenn sie mit versehentlich eine Zigarettenkippe fressen.

Es gibt also noch viel zu tun...

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