Lichtverschmutzung: Wenn die Nacht verschwindet
(Bild: Christine Schäfer)
Ein zunehmendes Problem für Mensch und Natur
Lichtverschmutzung, auch bekannt als „Lichtsmog“, bezeichnet die übermäßige und fehlgelenkte künstliche Beleuchtung, die unsere Nächte zunehmend erhellt. Diese künstliche Aufhellung des Nachthimmels stört nicht nur das natürliche Gleichgewicht in der Umwelt, sondern wirkt sich auch negativ auf die Gesundheit des Menschen aus. Der BUND setzt sich für die Aufklärung über die Folgen der Lichtverschmutzung ein und fordert Maßnahmen, um die Nacht wieder natürlicher und dunkler zu gestalten.
Was verursacht Lichtverschmutzung?
Lichtverschmutzung entsteht vor allem durch übermäßige und ineffiziente Außenbeleuchtung in Städten und Gemeinden. Dazu gehören:
- Straßenbeleuchtung: Häufig ist die Straßenbeleuchtung zu hell oder schlecht abgeschirmt, sodass das Licht nicht nur den Boden, sondern auch den Himmel erleuchtet.
- Werbeanlagen und Schaufenster: Leuchtende Werbetafeln und Schaufenster, die rund um die Uhr strahlen, tragen erheblich zur nächtlichen Helligkeit bei.
- Beleuchtung von Gebäuden und Denkmälern: Viele Gebäude und Sehenswürdigkeiten sind in der Nacht hell erleuchtet, was zwar ästhetisch wirken kann, aber die Dunkelheit stark beeinträchtigt.
- Privatbeleuchtung: Gärten, Fassaden und Hauseingänge sind oft übermäßig beleuchtet. Auch hier wird das Licht meist unnötig in den Himmel abgegeben.
Auswirkungen auf die Tierwelt
Lichtverschmutzung hat gravierende Folgen für die Tierwelt. Viele Tiere orientieren sich an natürlichen Lichtquellen wie Mond und Sternen, um zu navigieren oder ihren Tag-Nacht-Rhythmus zu steuern. Durch künstliches Licht werden diese Signale jedoch gestört:
- Insekten: Millionen von Insekten verenden jedes Jahr an künstlichen Lichtquellen. Viele fliegen in die Lampen und verbrennen dort oder werden leicht zur Beute anderer Tiere. Der Rückgang der Insekten hat weitreichende Folgen für die gesamte Nahrungskette.
- Vögel: Zugvögel, die sich an den Sternen orientieren, werden von hell erleuchteten Städten abgelenkt und geraten auf Abwege. Viele Vögel kollidieren mit beleuchteten Gebäuden und sterben daran.
- Säugetiere: Auch viele Säugetiere, wie Fledermäuse, sind nachtaktiv und auf Dunkelheit angewiesen. Die Lichtverschmutzung stört ihr Jagd- und Fortpflanzungsverhalten.
- Pflanzen: Der Lichtsmog kann das Wachstum und die Blühzeiten von Pflanzen beeinflussen, was sich wiederum auf die Ökosysteme auswirkt.
Gesundheitliche Folgen für den Menschen
Auch für den Menschen ist Lichtverschmutzung nicht ohne Folgen. Ein Übermaß an künstlichem Licht in der Nacht kann unseren biologischen Rhythmus, insbesondere den Schlaf-Wach-Zyklus, stören. Forschungen zeigen, dass zu viel Licht in der Nacht das Risiko für Schlafstörungen, Depressionen und andere gesundheitliche Probleme erhöhen kann. Zudem wird die Melatoninproduktion, ein Hormon, das für einen gesunden Schlaf sorgt, durch nächtliches Kunstlicht gehemmt.
Der Verlust des Sternenhimmels
Ein Aspekt der Lichtverschmutzung, der oft übersehen wird, ist der Verlust des Sternenhimmels. In vielen dicht besiedelten Regionen sind nur noch wenige Sterne zu sehen – ein Verlust, der nicht nur die Naturwahrnehmung, sondern auch unser kulturelles und spirituelles Erbe betrifft. Der Nachthimmel und seine Sternbilder waren seit jeher eine Quelle der Inspiration und Orientierung für die Menschheit.
Was können wir gegen Lichtverschmutzung tun?
Der BUND setzt sich für eine bewusste Beleuchtung ein, die auf unnötiges und übermäßiges Licht verzichtet. Maßnahmen zur Reduktion der Lichtverschmutzung können sowohl von Einzelpersonen als auch von Gemeinden und Städten umgesetzt werden:
- Abschirmung der Beleuchtung: Beleuchtungen sollten so gestaltet sein, dass sie nur nach unten strahlen und nicht in den Himmel leuchten.
- Verwendung von Bewegungsmeldern: Außenbeleuchtung kann auf Bewegungsmelder umgestellt werden, damit sie nur dann eingeschaltet ist, wenn sie tatsächlich gebraucht wird.
- Reduktion der Helligkeit und Anpassung der Farbtemperatur: Warmweißes Licht ist weniger störend als kaltes, blaues Licht. Städte können ihre Beleuchtungssysteme entsprechend anpassen.
- Zeitgesteuerte Beleuchtung: Viele Lichter könnten in den späten Abendstunden gedimmt oder ausgeschaltet werden, ohne die Sicherheit zu beeinträchtigen.
- Sensibilisierung und Aufklärung: Jeder kann im eigenen Umfeld auf die Problematik der Lichtverschmutzung aufmerksam machen und Maßnahmen anregen.
Insektenfreundliches Kunstlicht
(mit freundlicher Genehmigung der Offenbach-Post)
Ein Artikel der Offenbachpost zum Vortrag über Straßenlicht in Hainburg von Sabine Frank, die für Abschaltzeiten von Straßenlaternen plädiert.
(Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Offenbach-Post)