BUND Ortsverband Langen Egelsbach

Klimawandel - Klimaanpassung

Der Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit, und seine Auswirkungen werden immer spürbarer.

Der Klimawandel ist spürbar

Wir sehen vermehrt extreme Wetterereignisse wie Hitzewellen, Stürme und Überschwemmungen. Gletscher schmelzen, der Meeresspiegel steigt, und Ökosysteme verändern sich. Diese Veränderungen haben bereits erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt, die Wirtschaft und die menschliche Gesundheit. Es ist wichtig, dass wir als Gesellschaft Maßnahmen ergreifen, um den Klimawandel einzudämmen und uns an seine Auswirkungen anzupassen.

Die Folgen sind verherend

Die Folgen der steigenden Treibhausgaskonzentrationen sind erst verzögert spür- und messbar. Das Klima wird sich also - selbst bei einem sofortigen Stopp aller Emissionen - noch lange weiter erwärmen, auch in Folge der sich selbst verstärkenden Effekte der Erderwärmung.

Hier eine kleine Auswahl:

  • Es verdunstet mehr Wasser, was zu mehr Wasserdampf und Wolken führt, die den Treibhauseffekt verstärken.
  • Permafrostböden tauen auf und geben Methan frei. Dessen Treibhausgaseffekt ist 28x so groß wie der von CO2.
  • Wenn das Gletschereis an den Polen schmilzt, wird weniger Sonne durch die hellen Eisflächen reflektiert. 
  • Der Sauerstoffgehalt im Meer nimmt ab und weniger Algen wachsen, die wiederum CO2 binden und es beim Absterben mit in die Tiefsee nehmen (insgesamt nimmt das Meer 30% des globalen CO2 auf).
  • Höhere Temperaturen erhöhen die Gefahr von Waldbränden und Waldsterben: Das in den Bäumen gebündelte CO2 wird freigesetzt, so dass die Wälder letztlich mehr ihres gespeicherten CO2 abgeben anstatt aufzunehmen (wie es im Amazonasgebiet aufgrund der Waldbrände in den letzten Jahren bereits der Fall war).  


In unseren Breiten äußern sich die Folgen derzeit vor allem in einem starken Anstieg der Anzahl der Hitzetage, zunehmenden Starkregenereignissen sowie längeren Trockenphasen.  

Einschätzung eines Experten

Können wir also überhaupt noch etwas tun - und wenn ja was - oder hat das Ganze eh keinen Zweck und wir machen einfach weiter wie bisher?

 (Bild: A. Steckhan)

Unter dieser Frage stand auch der Vortrag des Wetterexperten und Wissenschaftsjournalisten Thomas Ranft, den der BUND Langen/Egelsbach am 11. Oktober 2023 ins Bürgerhaus Egelsbach eingeladen hatte. 

Ranft machte zunächst wenig Hoffnung: „Aktuell liegt die Erderwärmung bei 1,2 Grad. Wir sind auf einem 2,7 Grad-Pfad und dieser Temperaturanstieg ist schneller als alles, was der Planet bisher gesehen hat.“

Dann schlägt er den Bogen zu den Handlungsmöglichleiten vor Ort und muss erneut enttäuschen:“ Wir können Dächer begrünen oder Steingärten verbieten, doch alles wird den Klimawandel nicht stoppen. Wir müssen einfach aufhören, fossile Stoffe zu verbrennen. Das ist alternativlos“. 


Tatsächlich können wir die Erderwärmung nicht mehr zurückdrehen. Aber wir können sie mittel- bis langfristig auf ein niedrigeres Niveau begrenzen als sich bei der derzeitigen Entwicklung abzeichnet. 

Jedes Zehntel Grad zählt

Wenn die Erwärmung im Jahr 2100 nur 1,5 Grad statt 2 Grad beträgt, wird es laut dem Weltklimarat IPCC beispielsweise

  • in der Arktis „nur“ alle 100 Jahre einen eisfreien Sommer geben statt alle 10 Jahre
  • weltweit „nur“ 70-90 Prozent der Korallenriffe verschwinden statt alle, und 
  • die Erhöhung des Meeresspiegels um 10 cm geringer ausfallen.

Der umgehende Ausbau der Erneuerbaren Energien (vor allem aus Wind und Sonne), die effektive Energienutzung und das Energiesparen sind die Säulen der Energiewende und damit für den Klimaschutz unerlässlich. 

Was jeder einzelne dazu beitragen kann, sollte sich inzwischen herumgesprochen haben. Und auf EU-, Bundes- und Landesebene müssen die entsprechenden Maßnahmen erweitert und auch konsequent verfolgt werden. Aber auch auf kommunaler Ebene lässt sich einiges

Ansatzpunkte in Langen und Egelsbach

Ausbau von PV-Anlagen insbesondere auf Gewerbeflächen

 (Bild: Google-Map)

In Langen und Egelsbach gibt es vor allem im Bereich Solarenergie auf vorhandenen Dächern noch einen immensen Nachholbedarf. Ein Blick auf aktuelle Luftbilder zeigt, dass nur vereinzelt PV-Anlagen auf den Dächern zu finden sind. Und besonders hervor stechen die riesigen ungenutzten Dachflächen in den Gewerbegebieten! 

Während der Ausbau von Solaranlagen auf Privathäusern und auf freien Flächen deutlich zunimmt, tut sich auf Gewerbehallen noch verhältnismäßig wenig. Und das obwohl diese Gebäude gegenüber privaten Wohnhäusern den Vorteil haben, dass die Dächer zumeist flach sind, was eine optimale Ausrichtung der Solarmodule möglich macht. Zudem wird der Strom in Unternehmen, anders als in Privathäusern, vor allem während der üblichen Arbeitszeit am Tag verbraucht, wenn auch die Sonne scheint. 


Als Hinderungsgründe werden oft aufgeführt:

  • unterschiedliche Interessen des gewerblichen Mieters und des Gebäudeeigentümers,
  • die Statik des Gewerbedachs - was aber nach Ansicht von Experten nur selten ein echter Hinderungsgrund ist,
  • vor allem aber die Netzanschlusskosten: Große Solaranlagen lohnen sich nur dann, wenn der Strom auch ins Netz eingespeist werden kann.

Die Einspeisung erfolgt größtenteils nicht wie im Privatbereich über den Hausanschluss, sondern über das umliegende Mittelspannungsnetz oder die Zähleranschlusssäule in unmittelbarer Nähe der Ortsnetzverteiler. Das kann zu sehr hohen Kosten führen, was es für die Unternehmen unattraktiv macht.
Gerade bei letztem Punkt könnten Kommunen und Netzbetreiber (Stadtwerke) sicher an Lösungen arbeiten. 

Klimaanpassung

Vor allem Gewerbegebiete sind Hitzeinseln.

Gleichzeitig sind diese verbauten Flächen – neben dem Egelsbacher Flughafen – die herausragenden Hitzeinseln der beiden Kommunen und beeinflussen die stadtklimatischen Bedingungen in hohem Maße. 

Eine klimaangepasste und grüne Entwicklung auf großen verbauten Flächen kann das Stadtklima auch in den angrenzenden Wohnquartieren deutlich verbessern:

  • Die Verdunstungsaktivität der Pflanzen sorgt für Kühlung. Das Blattwerk der Pflanzen wirft Schatten und reflektiert Sonnenstrahlen. Begrünungsmaßnahmen senken somit die Gebäudetemperaturen und erfüllen eine mikroklimatische Funktion. 
  • Die Kühlleistung eines großen Laubbaumes entspricht 20 bis 30 Kilowatt. Ein einziger Baum ist also so leistungsstark wie zehn Standardklimaanlagen. 
  • Jede Begrünung (auch Dachbegrünung) bewirkt eine Abflussverzögerung. Niederschlagswasser wird zurückgehalten und somit die Kanalisation entlastet.
  • Zusätzlich leisten Begrünungen einen positiven Beitrag zur Artenvielfalt und erhöhen die Aufenthaltsqualität. 
  • In diesem Zusammenhang ist auch viel von „blau-grünen Infrastrukturen“ die Rede. Neben der „grünen Infrastruktur“ (Grünanlagen, begrünte Dächer oder Fassaden) ist im Stadtgebiet auch die „blaue Infrastruktur“ wichtig und sinnvoll, etwa Teiche, Bäche oder Kanäle sowie Zisternen. (Link zum Kapitel Wasser)
 (Bild: Hess. Landesamt für Umwelttechnologie)
 (Bild: Hess. Landesamt für Umwelttechnologie)

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