Der BUND Ortsverband Langen-Egelsbach hat die drei Langener Bürgermeisterkandidaten Niklas Berger (SPD), Prof. Dr. Jan Werner (parteilos) und Olaf Hermann (Bündnis 90/Die Grünen) gefragt, welche Maßnahmen sie im Bereich Klimaanpassung, Klimaschutz und Insektenschutz für wichtig und sinnvoll halten. Die vollständigen Fragen und Antworten finden sich auf der Seite des BUND Langen-Egelsbach Hier eine Zusammenfassung:
Maßnahmen zur Klimaanpassung
Auch Langen ist infolge des Klimawandels immer häufiger von langanhaltenden Hitze- und
Trockenphasen- aber auch von Starkregenereignissen – betro8en. Alle Kandidaten plädieren für
mehr Bäume und Begrünungen im Stadtgebiet. Während Werner auf die Anpflanzung von 300
neuen Stadtbäumen in seiner Amtszeit verweist, sind für Berger auch Wiederau8orstungen im
Bannwald und mobile Bepflanzungen an innerstädtischen Hitzeschwerpunkten zur
Verbesserung des Stadtklimas relevant. Um nicht „Jahrzehnte auf eine schattenspendende
Wirkung der Bäume zu warten“ plädiert Hermann, für die Anpflanzung größerer Bäume an den
Hitzeinseln. Außerdem sollte den innerstädtischen Bäumen mehr Überlebenschancen – durch
Entsiegelungen und Ertüchtigungen von Baumscheiben – eingeräumt werden.
Im Straßenbau setzen Berger und Werner auf hellen Asphalt, der mehr Sonnenlicht reflektiert
und weniger Wärme absorbiert. Dach- und Fassadenbegrünungen spielen für alle Kandidaten
eine wichtige Rolle. Während Hermann für private Immobilien ein Förderprogramm auflegen
möchte, will Berger dies über Gestaltungssatzungen regeln. Nach Ansicht Werners seien
Gründächer bereits in den jeweiligen Bebauungsplänen verankert.
Um die Folgen von Starkregenfällen – etwa Überschwemmungen oder übermäßige Belastungen
der Kanalisation und der Kläranlage – abzufedern, sind alle Kandidaten der Meinung, dass eine
vermehrte Flächenentsiegelung und die Errichtung weiterer Rückhaltebecken erfolgen solle.
Werner und Hermann wollen beim Straßenneubau – wo möglich – die Versickerung von
Regenwasser fördern, zur Entlastung der Kläranlage und zur Neubildung von Grundwasser.
Hermann verweist auf die Ansätze aus Dietzenbach, das sich u.a. am „Schwammstadt“-
Konzept orientiert.
Maßnahmen zum Klimaschutz
Zum Klimaschutz selbst können auch Kommunen einiges beitragen, etwa im Gebäude- und
Infrastrukturbereich, der Energieversorgung oder der Mobilitätsplanung. Werner setzt dabei vor
allem auf die kommunale Wärmeplanung, die vorsieht, dass über die Abwärme des geplanten
Rechenzentrums ein Großteil Langens mit Fernwärme versorgt werden kann. Das
Rechenzentrum soll mit erneuerbaren Energien betrieben werden.
Im Bereich Mobilität will er sich für die Anbindung Langens an die Regionaltangente West und
die Weiterführung des „Hopper“ stark machen. Die Fertigstellung des Radschnellwegs verbucht
er auf sein Konto. Die Verbesserung der Radinfrastruktur und des ÖPNV sind auch Ziele von
Berger und Hermann. Außerdem wollen sie alle städtischen Liegenschaften mit PV ausstatten.
Während Berger noch weitere relevante Punkte einbringt, etwa die Umstellung der Stadtbusse
auf E-Antrieb, eine Ausweitung der innerstädtischen Temporeduzierung, die Verwendung CO2-
armer Bauweisen für den Neubau städtischer Gebäude, den Austausch der alten
Straßenbeleuchtung mit LEDs oder die papierlose Verwaltung, sieht Hermann einen
wesentlichen Ansatzpunkt für den lokalen Klimaschutz auch im Langener Bannwald. Er fordert
eine striktere zeitliche und qualitative Einhaltung der Rekultivierungsmaßnahmen auf den
ehemaligen Kiesabbauflächen und eine Kompensation des entstandenen Waldverlustes vor Ort.
Außerdem spricht er sich klar gegen eine weitere Vergabe von Nutzungs- und Förderrechten an
das Kiesabbauunternehmen aus und will auf eine entsprechende Positionierung der
Stadtverordnetenversammlung hinarbeiten.
Maßnahmen zum Insektenschutz
Insekten sind für ein funktionierendes Ökosystem unverzichtbar. In den letzten 30 Jahren wurde
in Deutschland bei den Fluginsekten ein Rückgang von 75% verzeichnet. Zwar liegen die
Hauptursachen für das Insektensterben in der intensiven Landwirtschaft und im hohen
Pestizideinsatz, aber auch im Stadtgebiet tragen der Verlust von Lebensräumen und
Lichtverschmutzung dazu bei.
Während Werner auf die naturnahe Gestaltung von städtischen Grünflächen – ohne
Pestizideinsatz -sowie auf den Erhalt und die Pflege der Streuobstwiesen setzt, thematisieren
Berger und Hermann zudem auch die Stein- und Schottergärten. Während sich Berger für deren
Verbot einsetzen will, will Hermann deren Abscha8ung über Fördermaßnahmen erreichen.
Berger würde die Aufstellung städtischer Insektenhotels begrüßen und auch Hermann würde
Mini-Habitate einrichten, etwa durch Blühstreifen entlang von Straßen, Dach- und
Fassadenbegrünungen oder Tümpel und Teiche. Das Thema Reduzierung der Beleuchtung wird
von beiden erwähnt aber nur sehr vorsichtig behandelt.
Einschätzung des BUND Langen-Egelsbach
Der BUND begrüßt alle geplanten Maßnahmen und ho8t auf deren Umsetzung. Allerdings hätte
er sich gerne noch einige weitere Maßnahmen gewünscht, die sicher auch von einer
qualifizierten Klimaschutzmanagerin bzw. einem Klimaschutzmanager, deren Einstellung vom
Bund gefördert wird, aufgegri8en worden wären.
Bei den Klimaanpassungsmaßnahmen sieht der BUND dringenden Handlungsbedarf in den
bekannten herausragenden Wärmeinseln im Stadtgebiet (siehe Hitzeviewer des HLNUG). Ganz
vorne in dunkelrot findet sich das Gewerbegebiet Neurott, etwas abgeschwächter die Bereiche
Dieburger Straße/Rheinstraße und der Bereich der Verwaltungsgebäude an der Südlichen
Ringstraße. Gerade im Gewerbegebiet bestünde nach Ansicht des BUND dringender
Handlungsbedarf an Klimaanpassungsmaßnahmen. Relativ einfach ließen sich Maßnahmen im
Verwaltungsareal an der Südlichen Ringstraße umsetzen, da es sich hier um ö8entliche
Gebäude handelt.
Beim Klimaschutz ist die kommunale Wärmeplanung tatsächlich ein entscheidender
Ansatzpunkt. Hier ist der BUND gespannt, welche Rolle den Gasheizungen darin eingeräumt
wird, wenn spätestens in 20 Jahren kein Gas und Öl mehr verbrannt werden darf.
Der BUND stellt sich weiter die Frage, warum die Kommune im Bereich Elektromobilität nicht
mit gutem Beispiel voran geht, etwa beim kommunalen Fuhrpark oder den Stadtbussen. Auch
für das Angebot des Bundes, der im Rahmen des „Deutschlandnetzes“ über eine Betreiberfirma
einen Schnelladehub mit 12 ultraschnellen Ladepunkten im Raum Langen/Sprendlingen
aufbauen möchte, wurde bisher anscheinend keine Fläche gefunden. Dies hätte den erwarteten
zusätzlichen Bedarf an Ladeinfrastruktur bis mindestens 2030 gedeckt, ein Sicherheitsgefühl
vermittelt und einige Bedenkenträger in der Bevölkerung überzeugt.
Beim Insektenschutz wird das Thema Beleuchtung - eine Hauptursache des Insektentods in
innerstädtischen Bereichen - von vielen Politikern gerne mit dem Verweis auf die Sicherheit
ausgeklammert. Hier lassen sich aber nicht nur zufriedenstellende Kompromisse finden, das
Hessische Naturschutzgesetz fordert auch ausdrücklich entsprechende Maßnahmen (§35
Schutz von lichtempfindlichen Tier- und Pflanzenarten sowie Insekten)!
Autor: Jürgen Schilling – BUND Langen-Egelsbach