Mitglieder der AG Stadtgrün des BUND OV Langen-Egelsbach am Platz der Deutschen Einheit
(Foto: BUND OV Langen-Egelsbach)
Viele LangenerInnen wünschen sich einen lebendigen Platz der Deutschen Einheit
Langen. Der Platz der Deutschen Einheit im Langener Nordend war als Quartiersmittelpunkt mit hoher Aufenthaltsqualität geplant, doch insgesamt ist der Platz eher trist und an heißen Sommertagen für viele kaum nutzbar: fast die gesamte Fläche ist versiegelt, Schatten ist rar. Der BUND Ortsverband Langen-Egelsbach wollte deshalb wissen, was sich die Menschen für „ihren“ Platz wünschen. Von März bis Ende August 2026 konnten sie ihre Ideen über die BUND-Webseite, auf Facebook oder per Postkarte einreichen. Insgesamt kamen 62 Rückmeldungen zusammen: 44 über die Webseite, 14 über Facebook und 4 per Postkarte.
Ein Platz mit Geschichte
Der Platz hat eine bewegte Vorgeschichte: Hier befand sich lange das Hessische Übergangswohnheim für Spätaussiedler. Nach dessen Schließung Ende 2002 erwarb die Stadt das Gelände und entwickelte den Stadtteil im Rahmen des Programms „Soziale Stadt“ weiter, das von 2001 bis 2011 lief. Der Platz der Deutschen Einheit sollte dabei zum Mittelpunkt des Quartiers werden, mit Raum für einen Markt, Feste und Spiele. Es stellt sich schon länger die Frage, ob er diesem Anspruch gerecht wird. Auch die Anforderungen an öffentliche Plätze haben sich verändert: Sie sollen Begegnung ermöglichen, aber auch an heißen Tagen Abkühlung bieten und mehr Natur zulassen.
Grün, Schatten und Sitzplätze in der Umfrage vorn
Da die Teilnehmenden der nicht-repräsentativen Umfrage frei antworten konnten, hat die AG Stadtgrün die Beiträge nach Themen sortiert. Viele Antworten nannten mehrere Wünsche zugleich. 45-mal wurden mehr Grün und mehr Bäume gewünscht, 27-mal mehr Schatten und Maßnahmen zur Klimaanpassung. Jeweils 23-mal ging es um mehr Bänke und Aufenthaltsmöglichkeiten sowie um Wasser und Abkühlung. Auch mehr Angebote für Kinder und Familien, die Öffnung versiegelter Flächen, naturnahe Gestaltung und Raum für Sport, Spiel und Begegnung wurden oft genannt.
Die Vorschläge reichen von Sonnensegeln, Pflanzkübeln und Trinkbrunnen über Nebelduschen und Wasserspiele bis zu einem internationalen Nachbarschaftsgarten und windschützenden Hecken. Einzelne Stimmen möchten den versiegelten Teil des Platzes weitgehend belassen, weil sie ihn zum Inlineskaten schätzen. Auch Boule spielen solle weiterhin möglich bleiben, gerne in einem abgegrenzten Bereich. Deutliche Kritik gibt es am Zustand des Wasserbeckens.
Für den BUND ist klar: Gewünscht wird ein grünerer, klimaangepasster Ort, an dem man sich gerne aufhält. Gerade angesichts zunehmend heißer Sommer könnte der Platz eine wichtige Funktion für die Bevölkerung übernehmen. Mit mehr Bäumen und Begrünung für Schatten sorgen und die Fläche so auch an heißen Tagen nutzbar machen.
Gute Ideen müssen nicht teuer sein
Viele Teilnehmende haben bewusst auch an die Finanzlage der Stadt gedacht und Vorschläge gemacht, die mit überschaubarem Aufwand umsetzbar wären und kaum laufende Belastungen bringen würden. Mehrfach genannt wurden beispielsweise mehr Mülleimer mit Aschenbechern sowie Sonnen- und Regenschutz. Für Kinder wurden aufgemalte Hüpfspiele oder Straßenführungen als Verkehrsübungsplatz sowie Bänke mit Tischen angeregt. Eine andere Idee ist, Bänke, Mülleimer oder Laternen mit Bezug zu den Langener Partnerstädten zu gestalten und mit einer Plakette zu versehen, die ihre Herkunft zeigt. Auch Patenschaften wurden vorgeschlagen, bei denen Bürgerinnen und Bürger Verantwortung für Teile des Platzes übernehmen können. Modulare Sitzelemente könnten durch lokale Künstler optisch aufgewertet werden. Der BUND sieht darin Ansatzpunkte, den Platz Schritt für Schritt zu verbessern, auch ohne größere Umbauten.
Trinkbrunnen: Chance mit Förderung
Ein Wunsch aus der Umfrage könnte schon bald konkret werden. Im Bauausschuss der Stadt Langen wurde kürzlich die Aufstellung weiterer Trinkbrunnen im Stadtgebiet diskutiert. Der Platz der Deutschen Einheit wird dort neben dem möglichen Standort am Lutherplatz und dem Aranda-de-Duero-Platz als weiterer möglicher Standort geführt. Das Land Hessen fördert Trinkbrunnen über die Kommunale Klimarichtlinie mit 85 Prozent, höchstens 10.000 Euro je Brunnen. Gefördert werden Anschaffung und Anschluss. Die Konditionen gelten bei einer Antragstellung noch in diesem Jahr. Nicht gefördert werden Betrieb und Wartung, die laut Präsentation mit rund 2.280 Euro netto pro Brunnen und Jahr zu Buche schlagen würden. Der BUND sieht darin eine Gelegenheit, den Platz ohne große Investition ein Stück attraktiver zu machen und zugleich die Hitzevorsorge zu stärken.
Fest als Auftakt
Wie viel Potenzial auf dem Platz steckt, zeigte der BUND bereits im August mit dem Kinder- und Generationenfest „Grau wird grün“. Familien bastelten Fledermaus-Nistkästen und lernten die Pflanzen des Platzes kennen. Mehrere Vereine und Initiativen waren mit Ständen vertreten, die städtische Jugendarbeit kam mit dem Dragomobil. Marion Bredemeier vom BUND erinnerte daran, dass es unter schattigen Bäumen bis zu 15 Grad kühler ist als auf dem Pflaster.
Einladung an die Politik
Die Ergebnisse der Umfrage hat der BUND bereits an die Fraktionen und Parteien übermittelt und sie eingeladen, diese zu diskutieren und mögliche Maßnahmen abzuleiten. Den Mitgliedern der AG Stadtgrün ist bewusst, dass die Haushaltslage der Stadt ein begrenzender Faktor bei der Gestaltung des Platzes ist. Er regt an zu prüfen, was unter diesen Bedingungen möglich ist und wo es Spielräume gibt. „Dabei müssen es nicht zwangsläufig große Investitionen sein. Auch schrittweise umsetzbare Maßnahmen können dazu beitragen, den Platz attraktiver, grüner und klimaangepasster zu gestalten.“, so Uwe Scholz von der AG Stadtgrün.
Die vollständige Auswertung ist unter diesem Link abrufbar: Umfrageauswertung [PDF].
Hier ein paar Eindrücke vom Kinder- und Generationenfest auf dem Platz der Deutschen Einheit im August 2026: